Finanzkrise – Hintergründe, Fakten und Ratschläge

Lebensmittel als Billigware

Während sich der Konsument über steigende Milchpreise entrüstet, ist der Milchbauer schon an seinen preislich machbaren Grenzen angekommen. Der Einzelhandel weist zwar immer wieder darauf hin, dass wir in Deutschland im internationalen Vergleich einen relativ niedrigen Milchpreis haben, dies jedoch scheint wenig Eindruck auf den Endverbraucher zu machen.

Mais

Wird der Mais teuerer? – © AGphotographer – Fotolia.com

Die Deutschen sind auf Sparkurs eingestellt und das nicht erst seit der Finanzkrise. Alles muss möglichst günstig sein, denn auch die steigende Angst vor Arbeitslosigkeit hindert die Bevölkerung daran, zu investieren. Natürlich müssen in diesem Rahmen auch die Lebensmittel besonders günstig sein. Als der Milchpreis auf 33 Cent pro Liter erhöht wurde, folgte sofort die Panikmache der Konsumenten vor noch weiter steigenden Preisen. Jedoch mussten Milchbauern bis dahin mit 27 Cent pro Liter arbeiten, was ihre Kosten nicht komplett decken konnte. Daher forderten sie künftig 40 Cent, welche auf 33 Cent pro Liter festgesetzt wurden. Durch das daraus geänderte Kaufverhalten der Konsumenten konnten die großen Discounter die Milchbauern bereits wieder auf 27 Cent knebeln. Das letzte Wort ist für die Milchbauern in diesen Verhandlungen noch nicht getroffen. Alles ist noch offen.

Milch ist nicht das einzige Produkt, bei dem sich der Endverbraucher auf eine Preissteigerung gefasst machen muss. Viele Produkte der Süßigkeitenindustrie werden auch teurer, betroffen sind u.a. Weizen, Mais, Glukose und Kakao. Speziell auf Schokolade und Eiscreme wird sich dies für den Konsumenten auswirken. Grund dafür sind die steigenden Rohstoffpreise.

Die Lebenshaltungskosten werden also steigen. Die Bauern sind jedoch aufgrund der Exportmöglichkeiten allerdings wieder recht zufrieden mit ihrer Tätigkeit und ihren Umsätzen. Landwirtschaft ist, laut Gerd Sonnleitner, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, wieder im Trend. Die Bauern werden wieder als Wirtschaft angesehen, Grund hierfür ist Deutschlands Rang als weltweit viertgrößter Exporteur von Agrargütern, die steigende Nachfrage nach Bioenergie und nachwachsenden Rohstoffen, zudem die hohe Zahl an Arbeitsplätzen in der Agrarwirtschaft.

Dieser Zukunftsboom wirkt sich allerdings nicht auf alle landwirtschaftlichen Bereiche aus. Geflügel- und Schweinebauern müssen beispielsweise große Einbußen verbuchen. Der Trend für diese Bauern geht weiterhin abwärts. Die Fleischmassenproduktion ist nicht mehr gefragt, viele Konsumenten legen Wert auf Bioprodukte vom Bauer des Vertrauens und kaufen auch direkt dort ein. Zudem ernährt sich der Durchschnittsbürger nicht mehr so umfangreich von Fleisch, ohne gleich Vegetarier zu sein. Fleisch ist hierbei ein rückläufiger Artikel und muss, entweder gut und günstig angeboten werden, oder man setzt als Bauer auf komplette Bioproduktion, die natürlich erst mal Investitionen fordert.

Grundsätzlich kann man in Deutschland von einer günstigen und guten Ernährung ausgehen, wenn man verstärkt Inlandsprodukte kauft. Die deutsche Landwirtschaft wird in Zukunft den Hauptaugenmerk auf den Export legen und damit weiterhin aktiv bleiben. Viele Landwirte werden sich allerdings Gedanken machen müssen, ihre Produktionsgüter zu verlagern bzw. komplett zu ändern.