Finanzkrise – Hintergründe, Fakten und Ratschläge

Brexit

Beim Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU geht es auch um die Zukunft von David Cameron. Der britische Premierminister hatte monatelang um Stimmen bei den Befürwortern eines Brexits geworben, indem er gegen die EU wetterte. Er forderte Reformen und Sonderrechte. Wie der Volksentscheid am Ende ausgeht – völlig offen. In Umfragen liefern sich beide Lager ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch wenn er davon vor dem Referendum nichts wissen will – bei einem Verbleib in der EU wären Camerons Tage als Premier gezählt.

Doch was passiert, wenn er Erfolg hat? Denkbar wären ein weicher oder ein harter Austritt aus der EU. Großbritannien könnte wie Norwegen und die Schweiz einen Freihandelsstatus erhalten. Fakt ist, dass die Börse in London plötzlich nicht mehr so bedeutend ist wie vor dem Brexit, weshalb viele Unternehmer im Lande diesen unbedingt verhindern wollen. Viele von ihnen würden bei einem Brexit nach Paris umziehen müssen. Kommt dieser und anschließend ein zweites schottisches Unabhängigkeits-Referendum, könnten die EU-freundlichen Schotten mehr Erfolg haben als 2015 und das Land spalten. Großbritannien wäre dem Abgrund nahe.

Wie entwickelt sich die Wirtschaft Großbritanniens?

Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Brexits sind schwer kalkulierbar. Fakt ist: Über 50 Prozent des Handels macht das Vereinigte Königreich mit anderen EU-Staaten. Dessen Kosten würden steigen. Auf der anderen Seite müsste das Land keine Beitragszahlungen an die Europäische Union mehr leisten, was Einsparungen von mehreren Milliarden Euro bedeutet.

Bei einem weichen Austritt würde sich am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl nur wenig ändern. Ein Schweizer Modell mit bilateralen Verträgen müsste jedoch erst einmal ausgehandelt werden, was dauern kann. Multilaterale Handelsabkommen würden das BIP schon stärker belasten.

Imageschaden für die EU

Für die Europäische Union wäre der Austritt Großbritanniens wirtschaftlich weitaus weniger dramatisch, aber ein enormer Imageschaden. Vielleicht würde ein Umdenken stattfinden und die überhastete Erweiterung der EU mit darauf nicht vorbereiteten Ländern stoppen. Die Konzentration auf gemeinsame Werte und eine starke Wirtschaft würde die Europäische Union mit Deutschland und Frankreich an der Spitze wiedervereinen. Großbritannien hatte daran kein Interesse.

Noch nie hat ein Mitglied die Gemeinschaft verlassen und Großbritannien ist ein wichtiger Teil der EU. Das Land hat 1975 allerdings auch schon die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft verlassen und ist zwei Jahre später reumütig zurückgekehrt.