Finanzkrise – Hintergründe, Fakten und Ratschläge

Landflucht – vom Landwirt zum Stadtmenschen

Das Landleben ist für die meisten nicht mehr attraktiv – sogar Landwirte, deren Existenz gefährdet ist, weil sie nicht flexibel genug auf die aktuelle Nachfrage reagieren und umrüsten können, ziehen in die Städte. Mehrere Organisationen der Landwirte rufen zu einer Vermeidung der Landflucht auf, denn wenn die Landwirte wegziehen, wer soll dann für die vielfältigen Produkte aus der Landwirtschaft sorgen?

Aber nicht nur Landwirte zieht es in die Städte. Seit wenigen Jahren ist die „Landflucht“ attraktiver denn je. Immer mehr Leute zieht es in die Städte. Die Gründe sind hierfür zahlreich. Zum einen begann diese Entwicklung mit der Kürzung der Pendlerpauschale. Viele Leute hatten sich auf dem Land ein Haus gemietet oder gekauft, um in ihrer Freizeit eine ruhige, entspannende Umgebung zu haben. Das wird nun immer weniger interessant. Die neuentdeckte „Urbanität“ bietet nicht nur mehr Freizeitangebote und kürzere Arbeitswege, sondern auch ein hohes Sicherheitsgefühl z. B. durch ein dichtes Netz an medizinischer Versorgung.

Einer Studie zufolge sind sogar die meisten Städter sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation. In Deutschland führt speziell Leipzig die Zufriedenheitsskala der Bevölkerung an. Die neuen „Wohlfühlstädte“ spielen gegenüber dem Landleben alle Trümpfe aus: kürzere Wege, eine ausgesprochene Funktionsmischung und die beliebte Vielfalt. In deutschen Städten wird fleißig gebaut, die Nachfrage nach Immobilien muss möglichst schnell befriedigt werden, dies wirkt sich natürlich auch auf die Immobilienpreise nachhaltig aus. Aber Stadtleben hat eben seinen Preis, während der frühere Trend zum günstigen Leben auf dem Land ging, mit Haus im Grünen, bewegt sich die Zukunft in die Großstädte mit überteuerten Wohnungen und geringerer Grünfläche.

Das Jahr 2007 war für viele Forscher ein höchst geschichtsträchtiges Jahr – erstmals wohnten mehr Menschen in Städten, als in ländlichen Regionen. „Es ist das Jahr, in dem der Homo sapiens zum Homo urbanus wird.“, so Anna Tibaijuka, Direktorin des Habitat-Programms der Vereinten Nationen (UN). Diese Entwicklung hat sich zwar weltweit vollzogen, jedoch hat sie auch nachhaltig Deutschland ein neues Gesicht verliehen. Während 1950 nur 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten, werden es 2030 wohl an die 60 Prozent sein, so prognostiziert zumindest die UN.

Dieser Urbanisierungsprozess hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rapide beschleunigt. Dies führt zu einem explosiven Anwachsen der Städte und einer extrem rückläufigen Einwohnerzahl auf dem Land. Besonders auffällig ist diese Entwicklung in Ländern, die noch nicht zu den Industriestaaten zählen, aber eine aufstrebende Volkswirtschaft vorweisen können. Dazu zählen Städte wie Buenos Aires, Istanbul, Mumbau und Manila.
Auch immer mehr afrikanische und asiatische Städte werden enorme Zuwächse in den nächsten Jahrzehnten verzeichnen müssen. Grund dafür ist dort der Bevölkerungswachstum.

Während wir in Europa mit dem Demographischen Wandel zu kämpfen haben, werden sich bei uns die Zuwachsraten in den Großstädten nicht unkontrolliert vermehren. Attraktiv in Deutschland sind Städte wie München, Hamburg oder Berlin. Für Frankfurt wird sogar ein Bevölkerungsrückgang befürchtet. Reiner Klingholz, Geschäftsführer des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, warnt sogar von einer Entvölkerung in einer Schneise zwischen Görlitz und Gelsenkirchen.

Unsere Großstädte werden in den nächsten Jahrzehnten also nicht aus allen Nähten platzen, der Bevölkerungsrückgang im ländlichen Bereich muss allerdings gestoppt werden. Möglicherweise ist die Wiedereinführung der Pendler-Pauschale schon ein erster Schritt. Weitere Lösungen müssen hier auf politscher Ebene gefunden werden, um das Landleben weiterhin attraktiv zu halten und auch die Landwirtschaft zu entlasten und unterstützen, um diesen wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft nicht zu verlieren.