Finanzkrise – Hintergründe, Fakten und Ratschläge

Agrarrohstoffe – vom Acker an die Börse

Die Tasse Kaffee zum Frühstück oder das Butterbrot am Abend: keine Mahlzeit kommt ohne Agrarrohstoffe, das heißt landwirtschaftliche Erzeugnisse, aus. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie Erdöl oder Erzen gehört die sehr heterogene Gruppe der Agrarrohstoffe zu den erneuerbaren Rohstoffen, die im Rahmen der zur Verfügung stehenden Fläche reproduzierbar sind. Allen gemeinsam ist, dass sie saisonbedingten Produktionszyklen unterliegen und stark von den Wetterbedingungen abhängig sind. Als wichtigste Agrarrohstoffe gelten Getreide (Reis, Mais, Weizen, Hirse, Roggen, Hafer, Gerste und Triticale), Hackfrüchte (Kartoffel, Zuckerrübe, Zuckerrohr und Maniok), Ölpflanzen (Raps, Erdnuss, Ölpalme und Soja), Kaffee, Kakao, Baumwolle und Kautschuk. Der überwiegende Teil der erzeugten Agrarrohstoffe wird zu Nahrungs- oder Futtermitteln weiterverarbeitet.

Energetische Nutzung der Agrarrohstoffe

Ein kleiner Teil der Agrarrohstoffe wird auch energetisch oder stofflich genutzt. Unter energetisch genutzten Agrarrohstoffen werden die Pflanzen zusammengefasst, die nicht nur zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden, sondern auch als Energielieferanten dienen. Dazu gehören neben Raps, der zu Rapsöl und dann zu Biokraftstoff weiterverarbeitet wird, auch Zuckerrüben und Zuckerrohr, die ebenfalls zur Treibstoffproduktion genutzt werden, oder Mais, der in großen Mengen in Biogasanlagen vergoren wird. Daneben gibt es noch viele weitere Agrarrohstoffe, die zur Erzeugung von umweltfreundlicher Bioenergie genutzt werden können. Insgesamt ist die alternative Energiegewinnung aus Agrarrohstoffen jedoch deutlich ineffizienter als die aus Geothermie, Sonnen-, Windkraft- oder Wasserkraftanlagen.
agrarrohstoff

Stoffliche Nutzung der Agrarrohstoffe

Rapsöl

Rapsöl- Agrarrohstoff
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Bei der stofflichen Nutzung der Agrarrohstoffe spielt die industrielle Verwendung eine entscheidende Rolle. Die Rohstoffe selbst sind dabei genauso unverzichtbar wie in der Futter- und Nahrungsmittelindustrie. In der chemischen Industrie werden Agrarrohstoffe zu Chemikalien und Biokunststoffen weiterverarbeitet. In der Oleochemie dienen Agrarrohstoffe zur Herstellung von Tensiden, Farben, Lacken, Schmierstoffen und Polymeren. Auch die Textilindustrie ist ein Abnehmer von Agrarrohstoffen, die zu Textilien oder Dämmstoffen weiterverarbeitet werden.

Ferner kommen auch in der Pharma- und in der Kosmetikindustrie Agrarrohstoffe zum Einsatz. Die stofflich und energetisch genutzten Agrarrohstoffe werden zusammen mit Holz in der Gruppe der nachwachsenden Rohstoffe zusammengefasst. Um diese Rohstoffresourcen noch effizienter einzusetzen, ist eine sogenannte Kaskadennutzung sinnvoll. Dabei werden die Rohstoffe zunächst stofflich genutzt. Anschließend können sie zusammen mit den Resten der Nahrungs- und Futtermittelindustrie zur Energiegewinnung eingesetzt werden.

Landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland

In Deutschland werden heute auf ungefähr 60% der landwirtschaftlich genutzten Flächen Futtermittel und auf weiteren 26% Nahrungsmittel angebaut. Für die energetisch genutzten Pflanzen stehen circa 9,5% der Ackerflächen zu Verfügung. Auf weiteren 1,8% der Flächen werden Pflanzen für die stoffliche Nutzung kultiviert.

Soft Commodities werden an Börse gehandelt

Bei Agrarrohstoffen handelt es sich wie auch bei anderen Rohstoffen um Waren, die an der Börse gehandelt werden. Einfluss auf die Kurse der Agrarrohstoffe, auch als Soft Commodities bezeichnet, hat dabei neben dem Wetter vor allem die steigende Erdbevölkerung. Der Klimawandel, der zu einer Reduktion der nutzbaren Anbauflächen führt, und die veränderten Ernährungsgewohnheiten der Menschen, ein höherer Fleischverbrauch bedingt eine deutliche Steigerung der Futtermittelproduktion, bestimmen ebenfalls die Preise von Agrarrohstoffen.