Deflation und Depression als Folge der Schuldenkrise

Deflation bezeichnet einen signifikanten und anhaltenden Rückgang des anhaltenden Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen. Die Deflation hat direkte und indirekte Auswirkungen zu verzeichnen. Beim deflationären Prozess verlieren Sachgüter an Wert, vor allem verschuldete Unternehmen, welche ihre Sachgüter mit Krediten finanziert haben, kommen in Schieflage. Dadurch bedingt gibt es mehr Insolvenzen, hieraus ergeben sich negative Auswirkungen für Kreditgeber und Arbeitnehmern. Das Geldvermögen hat zinsbereinigt einen höheren Wert als vor der Deflation. Dadurch steigt die Kaufkraft der Konsumenten, was zunächst einen Aufschwung am Markt bewirkt. Durch die gesteigerte Nachfrage an Produkten wirkt sich die Produktivitätssteigerung direkt auf die Marktpreise aus.

Momentan droht die Weltwirtschaft in den Zustand der Depression zu geraten. Von Depression spricht man, wenn die Wirtschaft über einen ungewöhnlich langen Zeitraum in einem Konjunkturtief verharrt. In der Depression kommt es durch ‚abnorme Liquidation‘ zur Vernichtung vieler Dinge, die ohne diese einfach weiter bestehen würden. Der Begriff der Depression wurde bisher nur auf eine Wirtschaftskrise angewandt – die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre (‚Great Depression‘). Da in einer Depression unter anderem das Preisniveau sinkt und die Endverbraucherpreise fallen, bildet sie die Grundlage für eine Deflation.

Ursachen von Deflation

deflation Deflation - © surrender - Fotolia.com

Die Deflation kann auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein. Wenn sich die Volkswirtschaft auf einem absteigenden Ast befindet, reagieren die Menschen und Unternehmen vorsichtiger. Es wird nur so viel Geld wie nötig investiert, das restliche Geld wird als Rücklage für die befürchteten schlechteren Zeiten verwendet. Ein weiterer Gefahrenherd ist die Vermögens- und Kreditdeflation. Wenn viel Vermögen in Spekulationsobjekte, wie Immobilienfonds, investiert worden ist, besteht die Gefahr einer Deflation, wenn diese Spekulationen platzen. Auch der Staat kann maßgeblich zu einer Deflation beitragen. Dies geschieht wenn die Regierung die Staatsausgaben drastisch kürzt und dadurch bei gleichbleibendem Angebot eine Nachfragelücke auf den Märkten entsteht. Steigt das Angebot an Gütern auf dem Markt bei gleichbleibenden Ausgabemöglichkeiten der Bevölkerung, kann ebenfalls eine Deflation entstehen. Diese Art der Deflation kann sich durchaus positiv auf die Bevölkerung auswirken, da der durchschnittliche Wohlstand steigt.

Aktuell besteht in Europa und Amerika die Gefahr der Deflation, das frei verfügbare Einkommen ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Die Preise am Markt fallen, immer mehr Firmen gehen pleite. Deswegen versucht die US Notenbank Federal Reserve mit Anleihenkäufen den Lohnsenkkungsprozess zu bekämpfen, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Warnendes Beispiel hierfür ist Japan, das Land befindet sich in einer Deflationsspirale. Die jährliche Inflationsrate sinkt von Jahr zu Jahr und hat mittlerweile nur noch 1,1 Prozent erreicht.

Konsequenzen für Privathaushalte

Was bedeutet eine Deflation nun für jeden Einzelnen von uns? Auf den ersten Blick scheint eine Deflation Vorteile zu haben: Die Preise für Konsumgüter sinken, Verbraucher können sich mehr leisten. Allerdings hat die Deflation Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Fast alle Branchen sind von sinkenden Umsätzen bedroht. Kunden warten auf Schnäppchen oder können schlicht immer weniger kaufen. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Wettbewerb auf dem Markt immer härter wird, da die konkurrierenden Unternehmen hart um die verbliebende Kaufkraft ihrer Kunden kämpfen müssen. Darauf müssen Arbeitgeber reagieren und für den Arbeitnehmer bedeutet das in der Konsequenz: sinkende Löhne, Bedrohung durch Arbeitslosigkeit. In der momentanen Situation hat auch das Verhalten des Staates Auswirkungen auf die Situation der Endverbraucher. Da die Staaten sparen müssen, um die riesigen Rettungspakete zu stopfen und Schuldenberge abzubauen, werden Löhne im öffentlichen Dienst gekürzt, die Renten schrumpfen und die Mehrwertsteuer kann angehoben werden.

Konsequenzen für den Staat

Durch die aktuelle Schuldenkrise mussten die europäischen Staaten ihre Liquidität drastisch erhöhen. Anders wären die Rettungspakete nicht finanzierbar gewesen. Die Europäische Zentralbank hat nun die Aufgabe, die überschüssigen Geldmengen in den nächsten Jahren wieder abzuschöpfen – ansonsten droht nach der Deflation eine Inflation. Aus Sicht eines Staates ist eine Inflation aber fast das kleinere Übel: Während einer Inflation steigen die Steuereinnahmen (z.B. durch die Mehrwertsteuer). Auch steigende Löhne treiben Steuergelder in die Kassen. Diese sogenannte kalte Progression kann schnell zusätzliche Milliarden einspielen. Gleichzeitig verringert sich durch die Inflation ein Teil der Staatsschulden automatisch. Bei der Deflation ist der Effekt genau umgekehrt: Gläubiger profitieren hier, da die Schulden an Wert gewinnen. Aus staatlicher Sicht ist eine Deflation mit stagnierendem oder rückläufigem Wachstum also das weitaus tragischere Szenario. Eine massive Depression wie sie derzeit in Griechenland zu beobachten ist, kann auf längere Sicht keiner der europäischen Staaten verkraften. Momentan ist eine Deflation die wahrscheinlichere Bedrohung: USA, Griechenland und andere stark verschuldete südeuropäische Staaten haben es uns vorgemacht. Durch die Liquiditätserhöhung ist allerdings eine darauffolgende Inflation ebenfalls realistisch.


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