Beispiele für die exponentielle Entwicklung des Zinseszins Über die (In-) Stabilität unseres Geld- und Wirtschaftssystems aus Sicht eines Technikers

 

Zinseszins und exponentielles Wachstum

Viele Menschen sind total überrascht und geschockt wie in der heutigen Zeit eine derartig gigantische Finanzkrise, wie wir sie derzeit erleben, möglich sein kann. Teilweise wird sie schon mit der großen Depression der 30er Jahre verglichen.

Eisberg
90 % befinden sich unter Wasser, wie in dieser Fotomontage; manchmal mit langen Spornen (Quelle: Wikipedia)

Trotzdem sind sich viele Menschen wohl noch immer nicht darüber bewusst, wie tief das weltweite Finanzsystem tatsächlich in seinen Festen erschüttert ist und wie ernst die Lage wirklich ist. Es scheint, dass auch viele Verantwortliche in Wirtschaft und Politik von der Schnelligkeit und dem Ausmaß dieser Finanzkrise überrumpelt wurden. Die meisten so genannten Experten sehen als Verursacher und Ausgangspunkt der Krise  fast ausschließlich die USA.

Dort sind im Jahr 2007 die ersten Probleme mit den so genannten Subprime Krediten sichtbar geworden. Jedoch liegen die tatsächlichen Probleme wohl viel tiefer und sind vergleichbar mit einem Eisberg dessen Fläche zu rund 90 Prozent unter dem Wasser liegt.

Inzwischen sind für uns aber mehr und mehr Probleme, die wie bei besagtem Eisberg bisher für die meisten Menschen unsichtbar waren, ans Tageslicht gekommen. Anfang 2009 wird die Finanzkrise schon als echte Weltwirtschaftskrise wahrgenommen, obwohl noch viele Menschen und vor allem Politiker den Vergleich mit den 30er Jahren zu ignorieren oder sogar zu verschleiern versuchen.  Jedoch sprechen wirkliche Experten, wie der ehemalige Notenbankpräsident (FED) der USA (Chairman des Federal Reserve Boards 1979–1987) und jetzige Berater von Präsident Obama, Paul Volcker schon davon, dass diese Krise sogar noch schlimmer sein könnte, wie die Depression in den 30er Jahren.

Jeder selbständig denkende Mensch wird sich nun folgende Frage stellen: Wie ist es möglich dass eine relativ begrenzte Anzahl schlecht finanzierter Kredite für US Immobilien (Subprime Kredite) solch eine Krise auslösen können die gleich das globale Finanzsystem an den Rand des Totalzusammenbruchs bringen – Anfang 2009 scheint der Kollaps des globalen Finanzsystems vorerst verhindert - und dadurch nicht nur die Finanzwirtschaft, sondern die ganze Weltwirtschaft mitreißen!?

Da muss doch mehr dahinter stecken. Und in der Tat es steckt mehr dahinter. Nämlich ein Denkansatz der absolut simpel und für jeden klar denkenden Menschen verständlich ist. Das Problem liegt nämlich  im derzeitigen Geldsystem, und zwar beim Zinseszins.

Das Interessante daran ist insbesondere, dass dieser Denkansatz trotz, oder vielleicht sogar wegen seiner Einfachheit und seiner mathematischen Eindeutigkeit sogar für die allermeisten Wirtschaftswissenschaftler und Ökonomen fremd zu sein scheint. In der Bevölkerung sind sich wohl sogar mehr als 99 Prozent der Menschen dessen nicht bewusst und bei den Politikern ist diese Quote wohl auch nicht wesentlich anders.
Unser Geldsystem mit dem Zinseszins und der dadurch bedingten exponentiellen Entwicklung als Ursache für die zerstörerischen Auswirkungen für Ökonomie, sozialen Frieden und Ökologie zu erkennen ist anscheinend viel zu simpel, um als wirklicher Auslöser angesehen zu werden. 

Hans Christoph Binswanger von der Universität St. Gallen, einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler, der das Problem in unserem Geldwirtschaftssystem erkannt hat, erläutert die Thematik folgendermaßen:
"99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als 'nicht existent'. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als  Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich". Wenn man die Auswirkungen des  Zinseszinses noch weiter hinterfragt, gilt dies bei weitem nicht nur für die ökologische Wende. Vor allem die ökonomischen und die sozialen Probleme und dadurch wohl auch insbesondere die Frage des Friedens hängen davon ab.

Im März 2009 ist dazu in der Financial Times Deutschland ein sehr aufschlussreiches, aber eigentlich erschreckendes Interview mit dem Vorsitzenden der größten deutschen Ökonomenvereinigung Herrn  Friedrich Schneider mit folgendem Titel erschienen: „Krise der Wirtschaftswissenschaften-Wir sind alle  sprachlos“:
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/:Krise-Wirtschaftswissenschaften-Wir/656407.html

Deutschland – Bruttosozialprodukt seit 1950

Brutto-Sozialprodukt

Typische Entwicklung des Bruttosozialprodukts einer Volkswirtschaft innerhalb des Zinseszinssystems
Bei folgenden Annahmen eines durchschnittlichen Wachstums der Volkswirtschaft
Jahre  1  - 10:   12%
Jahre 11 - 20:   10%
Jahre 21 - 30:   8%
Jahre 31 - 40:   5%
Jahre 41 – 50:   3%
Jahre 51 – 60:   2%
Jahre 61 – 70:   1,2 %
Im Vergleich ist die Exponentialfunktion bei einem Zinssatz von gleich bleibend 7% über den kompletten Zeitraum dargestellt.

 

Deutschlands Konjunktur
Das typische Problem „älterer Volkswirtschaften“ bedingt durch den Zinseszins  lässt sich sehr anschaulich anhand einer Grafik verdeutlichen die den exponentiellen Verlauf des Zinseszinses und die typische Wachstumskurve einer Volkswirtschaft gegenüberstellt. Anhand der Wachstumsraten sogenannter „älterer Volkswirtschaften“ wie z.B. der BRD sieht man sehr schön wie die Wachstumsraten, bedingt durch den immer höheren nominalen Ausgangswert immer geringer werden und die Anzahl der Rezessionen zunimmt. Siehe Grafik

Die Frage, warum dies so ist und warum sich der Zinseszins erst nur unmerklich, und ab einem bestimmten Zeitpunkt plötzlich so dramatisch, auf das tägliche Leben aller Menschen in einer Volkswirtschaft auswirkt, ist für die meisten Menschen nur schwer vorstellbar. Der Grund dafür ist, dass wir in unserem Alltagsleben nicht sehr häufig mit exponentiellem Wachstum konfrontiert sind. Wir haben es schlicht nicht gelernt mit der Exponentialfunktion umzugehen und sind deshalb meist von den, für den „Unwissenden“ plötzlich dramatisch zunehmenden Problemen, bedingt durch den exponentiellen Anstieg des Zinseszins, geschockt und handlungsunfähig. Wenn wir uns derzeit in der Wirtschaftskrise die Verlautbarungen von Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft in der Presse vor Augen führen, so werden fast unisono umgehende und umfassende Maßnahmen gefordert, das Wirtschaftswachstum wieder auf deutlichen Wachstumskurs zu bringen. Was aber wohl alle bei Ihrer Forderung vergessen ist, dass in einer „alten Volkswirtschaft“ das Bruttosozialprodukt sich jedes Jahr – so es denn im Vorjahr ein Wachstum gab – auf einen immer größeren Ausgangsbetrag bezieht. In „alten Volkswirtschaften“ wie z.B. den europäischen Volkswirtschaften bedeutet ein 2-prozentiges Wachstum je nach Land und durchschnittlicher Wachstumsrate der jeweiligen Volkswirtschaft in den letzten sechzig Jahren mengenmäßig viermal oder fünfmal so viel Wachstum wie in den fünfziger Jahren.

Anschauliche Beispiele für die exponentielle Entwicklung des Zinseszins

Um diese mathematische Funktion aber noch anschaulicher zu machen, finden Sie hier drei Beispiele für den Zinseszins. Diese Beispiele werden die meisten Menschen absolut überraschen. Die Quelle für diese Beispiele ist ein Artikel von Dipl. Ing. Roland Spinola „Exponentielles Wachstum – was ist das?“ zu finden auf der folgenden Homepage www.humanwirtschaft.de 

Die sicherlich größte Herausforderung für unsere Welt in Sachen exponentiellem Wachstum neben dem Zinseszins Effekt des globalen Finanzsystems ist die exponentielle Entwicklung der Weltbevölkerung.

 

Weltbevölkerung und exponentielles Wachstum

Die "Bevölkerungsexplosion" ist ein sehr beeindruckendes Beispiel, an dem sich das "unbegreifliche" des exponentiellen Wachstums erkennen lässt: Bis zur ersten Milliarde Menschen auf der Erde im Jahr 1804 vergingen Millionen Jahre. Die zweite Milliarde wurde 123 Jahre später erreicht, im Jahr 1927; die dritte Milliarde, 1960, brauchte nur 33 Jahre und die vierte wurde 1974 nach nur weiteren 14 Jahren erreicht. Die Bevölkerung wächst weiter –allerdings nicht in dieser alarmierenden Geschwindigkeit –im Augenblick mit 1,6% pro Jahr. Eine einfache Formel zur Berechnung der Verdopplungszeit lautet: Zeit = 701 p, wobei p der Prozentsatz des Wachstums ist. Wenn also die Weltbevölkerung 1987 bei 5 Milliarden lag und mit 1,6% pro Jahr wächst, dauert es etwa 43 Jahre, bis wir bei 10 Milliarden angekommen sind! Es gibt viele Geschichten und Metaphern, die uns helfen können, exponentielles Wachstum besser zu begreifen; hier sind ein paar weitere Beispiele:

 

Beispiel 1

In einer mittelgroßen Stadt (60.000 Einwohner) wurde die Bevölkerung gefragt, welches Wachstum sie für angemessen hielte. Die meisten fanden 10% Bevölkerungszuwachs pro Jahr nicht übertrieben. Das bedeutet aber folgende Entwicklung:

  • nach einem Jahr: 66.000
  • nach 2 Jahren: 72.600
  • nach 3 Jahren: 79.600
  • nach 4 Jahren: 87.846
  • nach 5 Jahren: 96.630
  • nach 6 Jahren: 106.294
  • nach 7 Jahren: 116.923, also fast eine Verdopplung!

 

Damit hatte keiner gerechnet. Wenn dieses Wachstum so weiter geht, hat die Stadt nach weiteren 20 Jahren 1 Million Einwohner! Exponentielles Wachstum wird von den wenigsten Menschen verstanden, weil es in unseren natürlichen Lebensprozessen (fast) nicht vorkommt. Ein weiteres Merkmal dieser Art des Wachstums besteht darin, dass die Kurven plötzlich immer steiler werden und damit ein Überraschungseffekt eintritt. Exponentielles Wachstum liegt vor, wenn eine Basismenge prozentual wächst. Es führt immer zur Katastrophe, wenn es nicht in einem frühen Stadium begrenzt wird.

 

Beispiel 2

In einer Ecke eines Teiches beginnen Seerosen so zu wachsen, deren Fläche sich täglich verdoppelt. Zunächst fällt die bedeckte Fläche nicht so auf – nach 27 Tagen ist erst ein Achtel der Seefläche bedeckt. Frage: Wie viele Tage dauert es, bis der ganze See bedeckt ist? Antwort nur 3 Tage! Am 28. Tag ist ein Viertel bedeckt am 29. Tag die Hälfte und am 30. Tag ist der See vollständig zugewachsen.

Beispiel 3

Dem Erfinder des Schachspiels wurde von einem dankbaren Herrscher in China die Erfüllung eines Wunschs zugesichert. Der Erfinder erbat sich pro Tag eine Menge Reis, die sich durch folgende Prozedur ergibt: Auf das erste Schachfeld wird am ersten Tag ein Reiskorn gelegt, auf das zweite am zweiten Tag die doppelte Menge, also 2, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also 4, und so weiter bis zum 64. Feld am 64. Tag. Dem Herrscher schien die Bitte leicht erfüllbar –als aber am Ende des ersten Monats die Reismenge für diesen Tag auf 35 Tonnen angewachsen war, musste er einsehen, dass bei Erfüllung des Wunsches alle Reisernten dieser Welt nicht ausreichen würden!