Bank Run - der Sturm auf die Banken

Schlange am Bankautomaten
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Unter einem Bank Run versteht man einen Ansturm der Kunden auf ihre Bank, um nach Möglichkeit ihre Einlagen abzuheben und so während der Finanzkrise in Sicherheit zu bringen. Ein solcher Bank Run kann zu panikartigen Situationen führen: Keine Bankfiliale hat genügend Bargeld vorrätig, um tatsächlich allen Kundinnen und Kunden sofort ihr gesamtes Guthaben ausbezahlen zu können.

Der auf Zypern eingetretene Fall ist daher historisch fast ohne Vorbild; im Jahr 1923 gab es derartiges in Deutschland und 1929 in den USA. Beide Fälle sind indes mit der zyprischen Situation nicht zu vergleichen, da die damaligen Staaten nicht auf die Hilfe weitaus größerer Partnerländer hoffen konnten und die Krisenfälle weitaus schneller und unverhoffter eintraten.

Der Bank Run in Zypern dürfte für die eigentliche Lebensqualität der Inselbewohner zunächst keine größeren Auswirkungen haben, zumal die eigentliche Infrastruktur des Landes intakt ist und ein funktionierendes Sozialsystem auch in der Finanzkrise gewährleistet zu sein scheint.

Konsequenzen für die betroffene Bank
Für die Banken sind die Auswirkungen eines solchen Bank Runs katastrophal: Die Bank ist jedem Kunden und jeder Kundin gegenüber verpflichtet, das einbezahlte Guthaben sofort verfügbar zu haben. Dies kann jedoch nicht der Fall sein, da die meisten Banken eine zu geringe Eigenkapitalreserve vorhalten, um eine solche Situation tatsächlich meistern zu können, ohne sich selbst Geld zu leihen, was unweigerlich zu Verlusten und damit zur Pleite der Bank führen muss.

Hinzu kommt der nicht in Geld zu ermessende Vertrauensverlust, der langfristige Konsequenzen haben wird: Kaum ein Mensch etwa wird heute in Deutschland das Sparbuch für das erste Enkelkind bei der HRE Bank abschließen und dies kann sich über Generationen fortsetzen. Banken leben als Basis ihres Geschäftsmodells vom Vertrauen der Kunden in ihre Seriosität, welche durch einen einzigen Skandal (etwa um einen betrügerischen Manager mit hohen Abfindungsansprüchen) vernichtet sein kann. Eine Bank, welche in einem als nicht mehr sicher geltenden Staat agiert und als mitverantwortlich für die Krisensituation gilt, wird sich von einem solchen Ereignis wohl nur schwer und langsam erholen können.

Konsequenzen für die Volkswirtschaft
Die zyprische Wirtschaft wurde durch den Bank Run gelähmt: Wenn es nur noch möglich ist, sich am Tag die Summe von € 300,- am Automaten zu holen, scheint dies auf den ersten Blick als wenig gravierend. In Wahrheit aber bedeutet es, dass Menschen, deren Geschäft mit Wechselgeld zu tun hat, ihre Tätigkeit nicht werden fortsetzen können: Wie etwa soll ein Mensch, der Zeitungen verkauft, Kunden mit Bargeld bedienen, welche eine Boulevard-Zeitung zum Preis von 60 Cent kaufen wollen und mit einem Schein bezahlen? Der Inhaber des Kiosks wird spätestens um die Mittagszeit seine Tätigkeit einstellen müssen oder aber umsteigen auf ein Schattenwirtschaftsmodell, in dem zum Beispiel die Ausgaben der nächsten Woche natürlich im Vorab und steuerfrei veräußert werden. Taxifahrer können keine vernünftigen Preise mehr berechnen.

Dies eröffnet auch dem Betrug sämtliche Türen, so dass sich ein Land bei einer länger anhaltenden Krise der Banken und der allgegenwärtigen Finanzkrise auf einen Schwarzmarkt mit Tauschhandel vorbereiten sollte: Pelzmäntel gegen Flugtickets, um dem Elend einer Bevölkerung mit reduziertem Bargeld zu entkommen. In einer solchen Situation gehen in der Regel die Skrupellosen und diejenigen, die ohnehin schon reich waren, gestärkt aus der Finanzkrise hervor, was sicher nicht im Sinn einer Sozialdemokratie sein kann.

Ob es nun sinnvoll ist, sein Geld rechtzeitig abzuheben, kann kaum beantwortet werden: Meist haben die anderen EU-Staaten letzten Endes ausgeholfen, wobei dies sicher nicht für die Ewigkeit gelten kann.

 

 


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